Geschichte und Kultur
Guernseys Geschichte begann um circa 8000 v. Chr., als der steigende Meeresspiegel die Insel vom europäischen Festland abtrennte. Aus archäologischen Funden schließt man, dass um 6500 v. Chr. auf Guernsey gejagt und gefischt wurde. Das Hügelgrab Les Fouillages aus der Jungsteinzeit ist möglicherweise das älteste von Menschenhand geschaffene Baudenkmal Europas. Siedlungs- und Ackerbaufunde reichen ebenfalls auf diesen Zeitraum zurück. Überreste von Verteidigungsbauten wurden auf 2000 v. Chr. datiert. Später hinterließen auch die Menschen der Eisenzeit sowie die Römer ihre Spuren auf Guernsey.
Ab 933 gehörten die Kanalinseln zur Normandie. Hinweise auf diese Zeit gibt es auf Guernsey noch heute im dort geltenden normannischen Recht, den Nachnamen der Inselbewohner und in der lokalen Sprache, dem Guernésiais.
1204 stellte sich Guernsey auf die Seite des englischen Königs Johann I., als dieser die Normandie an den französischen König Philipp Augustus verlor. Um diese Zeit begann der Bau von Castle Cornet. Die Burg wurde als Verteidigung gegen eine französische Invasion gebaut und kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. Heute beherbergt sie einige der besten Museen der Insel und ist Schauplatz vieler verschiedener Freiluftveranstaltungen.
Das Leben auf Guernsey ist durch das Meer, eine lange Tradition im Fischfang und Schiffbau und geschichtlich auch durch die Kaperei geprägt. Daneben ist die Insel ein wichtiger Handelsort. Diese enge Beziehung spiegelt sich überall im Inselleben wider. Auch der traditionelle Guernsey-Pullover, berühmt für seine Wärme und wasserabweisenden Qualitäten, wird heute noch getragen, und zwar auf der ganzen Welt.
Aber auch das 20. Jahrhundert hat seine Spuren hinterlassen. Das Haus Victor Hugos, das in den Sommermonaten für Besucher geöffnet ist, ist ein faszinierendes Zeugnis der 15 Exiljahre, die der französische Schriftsteller auf der Insel verbrachte (1856 – 1870). Während dieser Zeit schrieb er einige seiner berühmtesten Werke und hinterließ einen bleibenden Eindruck auf der Insel.
Später im selben Jahrhundert wurden die Kanalinseln während des Zweiten Weltkriegs Bestandteil des Atlantikwalls. Das Vermächtnis dieses Bollwerks ist ein Labyrinth an Befestigungsanlagen sowie faszinierende Museen, die den Inselalltag unter deutscher Besatzung wieder lebendig werden lassen.
Der Zweite Weltkrieg war ein einschneidendes Kapitel in der jüngsten Geschichte der Vogtei Guernsey. Die schwere Zeit begann am 20. Juni 1940, als die Kinder der Insel und auch einige Erwachsene nach Großbritannien evakuiert wurden. Bei einem Bombenangriff auf St. Peter Port am 28. Juni wurden 33 Inselbewohner getötet und viele Menschen schwer verletzt. Darauf folgte am 30. Juni die Invasion und Besatzung durch die deutsche Wehrmacht.
Zu diesem Zeitpunkt war die Hälfte der Inselbevölkerung evakuiert worden. Dies wirkte sich gravierend auf die Insel aus, nicht nur rein äußerlich, sondern auch durch die daraus resultierende Veränderung der Bevölkerungszusammensetzung und somit der Traditionen und Sprache. Als im Mai 1945 die Befreiung Guernseys erfolgte, waren die Evakuierten länger als fünf Jahre von der Insel weg gewesen. Manche zogen es vor, auch weiterhin auf dem britischen Festland zu bleiben, während andere ihre neuen Ehepartner und Kinder mit sich zurück auf die Insel brachten.
Da die „Einheimischen“ während ihrer Zeit in Großbritannien Englisch gesprochen hatten, wurde nach ihrer Rückkehr die lokale Sprache bedeutend weniger gesprochen. Seit einigen Jahren wird das Guernésiais jedoch im Rahmen eines Programms zur Spracherhaltung wieder an den Schulen auf Guernsey unterrichtet.
Jedes Jahr am 9. Mai feiert die gesamte Insel mit dem „Liberation Day” ihre Freiheit. An diesem Feiertag finden Veranstaltungen in der Hauptstadt St. Peter Port wie auch in einzelnen Inselgemeinden statt.